Der Bürger-Burger oder:
Die Kulinarik des Durchgedrehten

Vor kurzem habe ich einen selbstverfertigten Burger gegessen, der mir schmeckte. Das brachte mich dazu, nachzudenken über dieses Produkt der sogenannten Fastfood-Kultur. Es ist nun nicht so, dass ich etwas gegen Burger hätte (obwohl das letzte Mal, dass ich einen Burger bei einer der bekannten Ketten bestellte, 1996 anlässlich eines Aufenthalts in den U.S.A. war). Was hat es auf sich mit dem Burger und vor allem: Wo kommt er her? Es ist nämlich so, dass meines Wissens alle Kulturen, in denen Fleischkonsum erlaubt ist, irgendwann auf die Idee kommen, Fleisch nicht mit den Zähnen zu zerkleinern, sondern dafür technische Hilfsmittel anwenden, deren einfachstes das Messer ist. Der primäre Grund hierfür liegt darin, dass das Fleisch von Dinosauriern und Mammuts äußerst zäh war. Menschen hatten große Mühe, das zu essen, was dazu führte, dass die Wölfe ihnen den größten Anteil weggefressen haben. Was liegt also näher, als das Messer durch ein anderes technisches Hilfsmittel zu ersetzen, das man folgerichtigerweise Wolf nannte. Mit dem Messer schnitt man also große Stücke vom erlegten Wild ab und zerkleinerte diese mit dem Wolf. Die lebenden Wölfe hatten das Nachsehen, was sich an der lange währenden Feindschaft zwischen Wölfen und Menschen zeigte (erst heute haben die Menschen begriffen, dass sie die Bösen sind und die Wölfe die Guten). Der zweite Grund für das Wolfen kam erst viel später hinzu, als es nämlich nicht mehr nur um Nahrungsaufnahme ging, sondern auch darum, dass das Essen auch schmeckt. In ein solches zerkleinertes Fleisch kann man naturgemäß viel leichter Gewürze einbringen. Um das Ganze zu komplizieren, besagen aber die Anfertigungsregeln für heutige Burger, dass man erst nach dem Braten würzen soll. Es ist alles nicht so einfach, wie man bei einem solchen Alltagsprodukt vermuten sollte. Aber dieses zerkleinerte und gewürzte Fleisch gibt er wirklich überall auf der Welt, ob sie nun Frikadellen, Klopse, Ćevapčići, Albóndigas, Köfte, Húsgombócok, Lihapullat oder Ha'DIbaH ghIH tIr ngogh je heißen (mein persönlicher Favorit ist Köttbullar). Das Fleischbällchen macht aber noch keinen Burger. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis sich das Fleischbällchen und ein Brötchen trafen, oder anders gesagt: Patty und Bun. Man muss sagen, dass dies erste Ehe zwischen Bun und Patty eine Erfolgsgeschichte begründete, auch wenn die Zeitspanne für den Vollzug der Ehe zwischen Ehe- und Sterbesakrament nur 30 Minuten beträgt. Die aus dieser Ehe hervorgegangenen Kinderlein sind aber recht unbekannt. Das kommt daher, dass sie aus Gründen der Bevölkerungskontrolle sehr schnell den Weg eines jeden Burgers gehen. Es gibt Personen, die eigens hierfür angestellt sind, wie das folgende Video zeigt. Es trägt den Titel: „Was weg muss, muss weg!“

Irgendwann in den späten 30er Jahren, aber sicher nachweisbar im Jahre 1940 blieb einmal ein Burger kurz nach der Hochzeit liegen, was heißt, er wurde nicht gegessen und nicht in den Mülleimer geworfen. Aus dieser Verbindung ging ein Wesen namens Bugs Bunny hervor, der später als der Erfinder des Veggie-Burgers bekannt wurde.

Aber wer hat eigentlich den ursprünglichen Burger erfunden? Da kämen ja als erstes die Hamburger in Betracht, was aber gar nicht sein kann. Die Hamburger haben ihren Beitrag zur Kulinarik des Durchgedrehten bereits geleistet, in Form dieses – gelinde gesagt – etwas gewöhnungsbedürftigen Labskaus. Von Hamburg kommt man auf direktem Wege nach München. Kann man ein „Fleischpflanzerl“ mit einem Burger in Verbindung bringen? Wohl kaum, denn vom Namen her ist schon unklar, ob es sich um tierische oder pflanzliche Kost handelt. Thüringen käme in Frage, nur würde dann das Bun von besserer Qualität sein (knusprig). Ich will nun nicht durch alle Bundesländer reisen, sondern noch einmal in die Stadt zurückkehren, von der der Hamburger seinen Namen hat. Scheinbar jedenfalls. Hamburg bedeutet ja ins Deutsche übersetzt „Schinkenburg“, was heißt, dass wir es hier mit einem Schinkenburger zu tun haben (ausdrücklich nicht mit einem Schinkenhäger – Hamburg heißt ja auch nicht Hamhagen). Das bedarf einer Erklärung, denn normalerweise besteht ein Burger ja aus Rindfleisch und nicht aus Schinken. Und an dieser Stelle kommt Frankreich ins Spiel: In dem von ausgewiesenen Historikern betreuten Film „Die Ritter der Kokosnuss“ besuchen die englischen Gralssucher eine von Franzosen besetzte Burg und werden recht unfreundlich empfangen. Das ist die berühmte Stelle, an der die Franzosen ihre einzige Kuh das Fliegen lehren. Mit anderen Worten werfen sie sie über die Burgmauer (und erschlagen so einen Engländer). Einen anderen Engländer sieht man nachdenklich vor der Kuh stehen. Es ist glaubhaft, dass ihm in diesem Moment die Idee zum Burger kam. Die Franzosen hingegen hatten nun ein Problem, Es gab keine Kühe mehr, sondern nur noch Schweine. Deshalb erfanden die Franzosen den Ham-Burger. Die Engländer hingegen aßen das Rindfleisch zunächst roh. Beides, der Ham-Burger und der englische Burger Tartare trafen sich schließlich in den eben neu gegründeten U.S.A, um dort das (bis auf das Brötchen fast perfekte) Gericht zu bilden. Letzten Endes war diese nun endlich feststehende Geburt eines neuen Gerichtes eines der wichtigsten Resultate am Ende des amerikanischen Ablegers des siebenjährigen Krieges (1763). Freilich gibt es immer noch geschmackliche und sprachliche Differenzen. Wie wir alle aus einem bekannten Spielfilm wissen, heißt zum Beispiel der amerikanische Quarterpounder in Frankreich „Royale mit Käse“.

Natürlich gibt es auch andere Nationen, die die Erfindung des Burgers für sich beanspruchen. Zu Deutschland brauche ich nichts weiter zu sagen. Deutschland scheidet aus, ebenso wie Schweden. Von „Köttbullar“ führt wirklich kein sprachlicher Weg zu „Burger“.

Die Chinesen beanspruchen ja so ungefähr die Hälfte aller Erfindungen für sich und natürlich auch den Burger. Dass dem nicht so sein kann, hat uns eindringlich Adolf Muschg gezeigt, in. seinem Roman „Bayun oder die Freundschaftsgesellschaft“. Dort bestellt jemand aus einer Reisegruppe in einem Restaurant in China einen Hamburger, weil er wenig Zeit hat. Aber er wartet und wartet, wobei er immer wieder seine Bestellung wiederholt: My Hamburger, I want my Hamburger. Er bekommt aber immer wieder nur ein Lächeln. Alle anderen haben schon gegessen, nur er wartet noch auf sein Schnellgericht, das dann schließlich doch serviert wird:

Ein Denkmal, ein Monstrum von einem Hamburger, an dem mußten sehr viele Leute sehr lange gearbeitet haben: serviert von einem älteren Kellner, hinter dem sich wohl zwanzig Leute drängten, um mitanzusehen, wie der Hamburger ankam.

Nein, die Chinesen können den Burger nicht erfunden haben. Und wenn dieser Burger noch so gut geschmeckt hat, trifft er eben nicht das Wesen des Hamburgers.

Dann gibt es noch die Inder, die wahrscheinlich im Geheimen eine besondere Spezialität anbieten: den Childburger. Nun ja, auch bei uns gibt es ja den Schülerdöner, aber ich glaube, die Inder meinen das etwas anders. Tatsächlich entdeckte ich in Indien auf einer Speisekarte ein Gericht namens „Fried Children“. Ich vermute stark, dass das eigentlich „Fried Chicken“ heißen sollte, aber sicher kann man ja nie sein. Es ist auch nicht so, dass ich etwa Indien mit Indonesien verwechsle und insbesondere mit Papua-Neuguinea. Sagen wir es so: Natürlich stehen ethische und gesetzliche Bedenken gegen den Verzehr von Kindern, aber schmecken würden sie bestimmt. Damit ist die Genese einiger wichtiger Burgervarianten geklärt. Es gibt aber noch eine therapeutische Variante, bei der es sich zunächst (aber nicht nur) um ein Wortspiel handelt:

Manchmal muss man ja ins Bürgeramt. Manchmal fühlt man sich hinterher regelrecht durch den Wolf gedreht. Gegen diese Symptomatik kann im homöopathischen Sinn der Verzehr eines Bürger-Burgers helfen, weshalb diese Variante oftmals in der Nähe des Bürgeramtes verkauft wird. Für die allopathische Hilfe hingegen findet man in der Nähe des Bürgeramtes regelmäßig eine Bar, die ebenfalls zumeist gut frequentiert ist Sie öffnet allerdings erst zwei Stunden nach dem Bürgeramt, da man dort mindestens diese Zeitspanne verbringt. Klar wird dadurch, dass die Homöopathie eindeutig die nebenwirkungsärmere Methode ist.

Es bleibt noch eine Frage. Was sollen eigentlich die Pommes zusammen mit dem Burger? Essen kann man natürlich auch Pommes (wenngleich nach meiner Auffassung oftmals eher im Notfall). Aber wie das technisch hinzubekommen ist, bleibt schleierhaft. Pommes und Burger sind für sich genommen durchaus streetfood und werden nicht mit Messer und Gabel gegessen. Das heißt, man braucht eine Hand für den Burger (bei guten Burgern eher beide Hände). Man braucht eine Hand, um die Pommes-Tüte zu halten und eine, um die Pommes zum Mund zu führen. Also insgesamt mindestens drei Hände. Daraus ergibt sich zwanglos eine Alternativhypothese über die Herkunft des Burgers. Sie wurden von entsprechend ausgestatteten Außerirdischen erfunden. Und deren Nachfahren sind wiederum die Hamburger. Was zu beweisen war.